Text: Hans-Peter Steiner
Fotos + Video: Manuel Manser, Graziana Rickli

Scania Hybrid

Länger leise liefern

Der neue Scania Hybrid G320 ist ein typisches Verteilerfahrzeug für die Agglomeration, vor allem nachts. Seine Vorteile: Er ist leise, spart Diesel und ist einfach zu fahren. Wir haben ihn in und um Zürich-Oerlikon getestet.


Den wesentlichen, aber dennoch feinen Unterschied, abgesehen von den unsichtbaren elektrischen Komponenten des beim neuen Modell verbesserten E-Antriebs (130 kW/177 PS), machen zwei Schalter am Armaturenträger aus: Einer trägt ein Elektromotor-Symbol, der zweite darunter das einer Batterie. Dazu kommen die elektrospezifischen dynamischen Anzeigen («intelligenter Energieindikator») zwischen den Rundinstrumenten im Display. Dadurch sieht man, ob man elektrisch fährt, also wie viel Strom gerade verbraucht, oder durch einen Bremsvorgang als elektrische Ladung zurück gewonnen wird (Rekuperation). Äusserlich verrät der diskrete Schriftzug «hybrid» an den seitlichen Chassis-Schürzen und rechts unten am Grill, um welches Antriebskonzept es sich hier handelt. Ansonsten ist alles beim alten geblieben.

Also: Einsteigen, Fahrschalter drehen und starten wie gewohnt. Der Neunliter-Fünfzylinder-Diesel mit 320 PS springt an.

Die Agglomeration Oerlikon eignet sich gut für die Testfahrt. Jetzt muss das Fahrzeug beweisen, ob es hält, was Scania verspricht. Von Kloten bis Oerlikon bleibt genügend Zeit, sich mit der Funktion der Hybrid-Bedienelemente vertraut zu machen und die Batterie vollständig aufzuladen. Denn sie sollte bis zu zehn Kilometer durchhalten und das Fahrzeug möglichst lange und leise (unter 72 dB) durch die Strassenschluchten schieben. Gegenüber dem Vorgänger-Hybrid ist die E-Reichweite verfünffacht worden. Der Schalter «Force Charging» bewirkt, dass die Lithium-Ionen-Batterie während des Fahrens durch den Verbrennungsmotor aufgeladen wird, wobei jeder Bremsvorgang ebenso dabei hilft Strom zu generieren.

So ist bereits nach wenigen Kilometern gewährleistet, dass man im Stadtgebiet auf reinen, emissionsfreien Elektrobetrieb umschalten kann. Dieser kann über einen Taster mit dem E-Motor-Symbol aktiviert werden. Sobald man vom «Gas» geht oder bremst, etwa wenn man an eine rote Ampel heranrollt, wird auch im E-Betrieb rekuperiert. Zu heftiges Bremsen wird mit orangen Pfeilen angezeigt – es wird mehr Bremsenergie produziert als in die Batterie zurückgeführt werden kann. Steht man etwa vor einer Ampel, steht der Elektromotor still und verbrauch dadurch keine Energie. Beim anschliessenden Anfahren bleibt das Fahrzeug ebenfalls im Elektromodus.

Ab 45 km/h Höchstgeschwindigkeit ist im Elektro-Modus Schluss, es sei denn, es geht bergab. Die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h reicht in der Innenstadt jedoch völlig aus, zumal es oft 30-km/h-Zonen gibt. Für die Überlandstrecke wird dadurch sichergestellt, dass jede Antriebstechnologie in ihrem besten Wirkungsgrad eingesetzt wird.

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Vorteile des Systems

Mit dem verbesserten Scania Hybridsystem kann man im entsprechenden Einsatz von 15 bis zu 40 Prozent (Plug-in-Hybrid) Dieseltreibstoff einsparen. Fährt man mit hydriertem Pflanzenöl (HVO) oder Biodiesel (FAME), senkt man die CO2-Einsparung nochmals signifikant. Die Fahrgeräusche sinken im elektrischen Betrieb auf unter 72 Dezibel. Die Reichweite ist geeignet, um grosse Streckenabschnitte in der Innenstadt rein elektrisch zu fahren. Mit «Scania Zone», einer Geofencing Funktion aus dem Scania Fleet Management Portal, kann man das Fahrzeug über eine Cloud programmieren, in welchen Gebieten es sich im «Null-Emission-Modus» also elektrisch zu bewegen hat. Die 950 Kilogramm Zusatzgewicht des Hybridsystems kann man mit bis zu einer Tonne Differenzgewicht gegenüber herkömmlichem Antrieb auflasten und hat so keinen Nutzlastverlust.

Fazit der Testfahrt

Der neue Scania Hybrid bietet drei Überraschungen: Erstens die Batterieladung während der Fahrt. Zweitens die von zwei auf zehn Kilometer verlängerte rein elektrische Reichweite, die das Fahrzeug länger leise und emissionsfrei in der Innenstadt verkehren lässt. Dazu kommt drittens, dass der Wechsel zwischen den Antriebsarten nahtlos vonstattengeht. Das A und das O ist jedoch weiterhin vorausschauend zu fahren. Allerdings gestaltet sich das sehr entspannt.

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