Text, Fotos:

Graziana Rickli

Biodiesel - Ein Interview

SCANIA GREEN TRUCK EDITION – AUCH MIT BIODIESEL

Der Weg zur Nachhaltigkeit ist eine stetige Entwicklung. Möglicherweise endlos. Wir tragen gemeinsam die Verantwortung für unsere Umwelt. Bei Scania beschäftigen sich tagein tagaus Menschen mit dem Ziel, noch effizientere und noch nachhaltigere Lösungen anbieten zu können. Bereits seit einigen Jahren offerieren wir von Scania mit Abstand die breiteste Produktpalette an alternativen Antriebsarten. Eine davon ist Biodiesel; Scania ist der einzige Nutzfahrzeughersteller, der fünf seiner Motoren mit 100% Biodiesel betreiben kann. Durch die Verwendung von Biodiesel können CO2-Emmissionen um nochmals knapp 70 Prozent reduziert werden. Deshalb kommt die Scania Green Truck Edition gleich mit einer FAME Biodiesel Vorbereitung ab Werk. So steht einem grünen und nachhaltigen Transport nichts mehr im Weg.

Um verschiedene Aspekte rund um das Thema Biodiesel genauer zu beleuchten hat die "Scania bewegt" Redaktion ein Gespräch mit Ueli Frei, Geschäftsführer Biofuels Schweiz, geführt.

Über Biofuels Schweiz

Biofuels Schweiz ist der offizielle Verband der Schweizer Biotreibstoffindustrie. Als Branchenverband publiziert Biofuels Schweiz Richtlinien und Zertifizierungsgrundlagen und unterstützt bei der Erarbeitung von Normen. Dabei wird eng mit anderen Organisationen der Biotreibstoffindustrie und verwandter Organisationen des Energiebereichs zusammengearbeitet.

Scania bewegt: Biodiesel geniesst in der Transportbranche nicht die allerbeste Referenz, weshalb? Ueli Frei: Die ersten Biodiesel-Treibstoffe wurden um die Jahrtausendwende angeboten. Bis Mitte der Nuller-Jahre traten immer wieder Qualitätsprobleme auf. Erst mit der Verbreitung der Norm SN EN 14214 verbesserte sich die Qualität markant. Die schlechten Erfahrungen sind leider immer noch in vielen Köpfen abgespeichert. Übrigens: Zweimal jährlich lässt Biofuels Schweiz die Qualität von Biodiesel von sämtlichen Schweizer Herstellern und Importeuren überprüfen. Das sorgt zusätzlich für konstante Qualität.

Scania bewegt: Hat die Verwendung von Biodiesel Einschränkungen beim Fahrzeugeinsatz? Ueli Frei: Zu beachten sind die Vorschriften der Motorenhersteller. Die meisten Lkw-Hersteller bieten nur einzelne B100-taugliche Motoren an. Scania bildet hier, mit der breiten Palette, eine löbliche Ausnahme. Besondere Beachtung verdient zudem die Kälteresistenz von Biodiesel. Im Winter empfiehlt es sich daher, die Beimischquote zu reduzieren, es sei denn, der Biodiesel sei in Bezug auf die Kältefestigkeit genügend additiviert.

Scania bewegt: Ist Biodiesel wirklich ein alternativer Treibstoff? Ueli Frei: Ja, absolut. In der Schweiz herrscht ein rigoroses Regime. Alternative, biogene Treibstoffe müssen aus Abfällen und Reststoffen hergestellt werden, so der politische Wille, sonst erhält man keine Steuererleichterungen.

Scania bewegt: Wie viel CO2 kann mit der Verwendung von Biodiesel reduziert werden? Ueli Frei: Jeder Liter Biodiesel, der einen Liter fossilen Diesel ersetzt, reduziert den CO2-Ausstoss um rund 2,5 Kilogramm. Scania bewegt: Diese Zahl ist ja sehr hoch, wenn man bedenkt, dass dieser Treibstoff ohne grossen Zusatzaufwand verwendet werden kann. Ueli Frei: In der Tat wirkt jeder Liter an alternativen Treibstoffen unmittelbar bei jedem Motorfahrzeug. Alternative Treibstoffe sind auch die wirksamste Klimaschutzmassnahme. Euphorie ist dennoch fehl am Platz. Der Marktanteil lag 2019 bei 4,2 Prozent.

“Scania bildet mit ihrer breiten Angebotspalette eine löbliche Ausnahme.”

Scania bewegt: Wo macht der Einsatz von Biodiesel aus Ihrer Sicht am meisten Sinn? Ueli Frei: Problemlos ist die Beimischung von sieben Prozent zum Mineralöldiesel und der Vertrieb über das Tankstellennetz. Die Wirkung erfolgt über jeden Dieselmotor. Ebenso interessant sind aber auch Lkw-Flotten, wie zum Beispiel jene von Coop oder Migros. Unterdessen liegt der Anteil aller Flottenbetreiber bei rund fünf Prozent des Biodieselabsatzes. Scania bewegt: Ging das Volumen an Biodiesel in den letzten Jahren eher zurück oder nahm die Absatzmenge zu? Ueli Frei: Mit dem aktuellen CO2-Gesetz, das per 1.1.2014 in Kraft gesetzt wurde, stiegen die Mengen stark an. Gründe dafür sind die Kompensationspflicht für Treibstoffimporteure und die damit verbundenen Bussen für nicht kompensiertes CO2. Diese Massnahmen werden mit der Totalrevision des CO2-Gesetzes, mit der sich das Parlament aktuell beschäftigt, noch verstärkt. Wir erwarten deshalb, dass der Absatz von alternativen Treibstoffen weiter steigen wird. Scania bewegt: Wie ist die Verfügbarkeit von Biodiesel in der Schweiz? Ueli Frei: Im Vergleich zu den umliegenden europäischen Ländern ist der Treibstoffverbrauch der Schweiz in absoluten Zahlen gering. Allein schon deshalb haben wir keine Probleme mit der Versorgung. Allerdings müssen wir uns auf höhere Preise einstellen, denn per 1.1.2020 hat die EU die Quote für abfallbasierte Biotreibstoffe faktisch verdoppelt. Der Preis für Biodiesel hat sich in der Folge erstmals vom Dieselpreis entkoppelt. Der Ölpreissturz wegen der Corona-Krise verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich.

"Das Volumen von eingesetztem Biodiesel ist in den letzten Jahren stark gestiegen. "

Scania bewegt: Wenn ich keine Biodiesel-Tankstelle in der Nähe habe, welche Alternativlösungen stehen mir zur Verfügung? Ueli Frei: Die Motorenhersteller haben sich vor über zehn Jahren darauf verständigt, dass dem Mineralöldiesel sieben Prozent Biodiesel ohne Deklaration beigemischt werden darf. Die grossen Mengen verkaufen sich ergo über das Tankstellennetz. Es gibt auf der anderen Seite Flottenbetreiber, die über betriebseigene Tankstellen verfügen und fahrzeugspezifisch höherprozentige Biodieselgemische – z.B. B30 – oder gar reinen Biodiesel betanken. B100-taugliche LKW wie jene von Scania können aber auch problemlos mit fossilem Diesel oder Gemischen betrieben werden. Scania bewegt: Wie stellt sich die Schweizer Politik zum Thema Biodiesel? Ueli Frei: Das Parlament will den Klimawandel bremsen. Dazu beschliesst es Gesetze. Die einzelnen Massnahmen, die die Emissionen von Treibhausgasen reduzieren, sind der Politik – etwas salopp gesagt – egal. Aber den Politikerinnen und Politikern ist die unmittelbare Wirkung der alternativen Treibstoffe sehr wohl bewusst. Scania bewegt: Geniesst Biodiesel auch Steuererleichterungen (31.12.2023), sprich einen finanziellen Anreiz? Ueli Frei: Das aktuelle CO2-Gesetz sorgte für den Durchbruch. Ausschlaggebend sind drei Fakten: die Befreiung von der Mineralölsteuer, die Kompensationspflicht der Treibstoffimporteure und die damit verbundenen Bussen. Da die Totalrevision des CO2-Gesetzes etwas in Verzug ist, hat das Parlament in der Wintersession 2019 ein Übergangsgesetz verabschiedet, das die Steuererleichterungen vorläufig bis 31. Dezember 2023 verlängert. Zusammen mit Partnerorganisationen kämpfen wir dafür, dass die Steuererleichterungen abgestimmt auf das total revidierte CO2-Gesetz bis Ende 2030 verlängert werden. Scania bewegt: Ist der Verbrauch von Biodiesel mit normalem Dieseltreibstoff vergleichbar? Ueli Frei: Die Energiedichte von Biodiesel liegt gegenüber Mineralöldiesel zwischen fünf und acht Prozent tiefer. Wir stellen jedoch fest, dass modernes Motormanagement dieses Handicap nahezu ausgleicht.

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